Hoi, ich bin Pepe. Vier Jahre alt, kleiner Mischlingsrüde mit bernsteinfarbenen Augen, die viel gesehen haben. Zu viel. In Bosnien wurde ich geschlagen, gejagt, herumgestossen. Ich habe früh gelernt, dass es sicherer ist, unsichtbar zu sein. Bis Uli kam. Sie roch nach Vertrauen und sprach so sanft, dass selbst Angst einen Moment lang Pause machte. Sie brachte mich ins Saarland, wo ich zum ersten Mal spürte, wie sich ein warmes Zuhause anfühlen könnte.
Nach zwei Wochen sagte sie: „Pepe, deine Hunde-Mama und dein Hunde-Papa kommen.“ Und ich hatte Angst. Und Hoffnung. Beides gleich stark.
🐶 Gino – der wilde, faire Strassenhund
Ich bin Gino. Etwas grösser als der Zwerg, aber nicht riesig. Ein ehemaliger Strassenhund, der gelernt hat, wie man überlebt. Wild, wenn’s sein muss. Fair, wenn’s geht. Da standen wir also in Uli’s Hof, als dieser kleine Kerl herauskam. Sein Blick sagte: „Bitte nicht falsch machen… bitte niemandem im Weg sein… bitte klein bleiben.“ Wir gingen zusammen eine kleine Runde. Ich liess ihn einfach. Ich machte keinen auf Chef. Ich dachte nur: „Gut. Das ist einer, der viel zu viel erlebt hat. Den bringen wir heim.“
🚗 Die Reise nach Hause
Pepe sass im Auto wie eine Statue. Steif. Still. Völlig überfordert. Ich lag daneben, döste und dachte: „Keine Angst, Kleiner. Hunde-Mama und Hunde-Papa sind Profis.“
🏡 Die ersten Tage
Pepe trat ins Haus und wurde sofort zu „Ich bin Luft“-Pepe. Kein Drücken. Keine Nähe. Er hielt Abstand. Er beobachtete alles mit seinen grossen bernsteinfarbenen Augen. Aber er lernte jeden Tag:
• Sofas beißen nicht.
• Hunde-Mama hat warme Worte.
• Hunde-Papa hat warme Hände.
• Käse ist göttlich.
Und dass man sich an mir, Gino, orientieren kann – auch wenn man nicht versteht, warum ich belle, wenn ein Blatt umfällt.
🦴 Der grosse Knochen-Vorfall
Gino erzählt:
Ich lag im Wohnzimmer. Ganz entspannt. Mein Kauknochen im Maul. Und nein – das war kein Knochen, das war Kunst. Ich kaute. Ich genoss. Ich war in meinem Zen. Da spüre ich plötzlich etwas Warmes. Etwas Feuchtes. Etwas… Unmögliches. Ich öffne die Augen – und da hängt Pepe. Der Zwerg. Mit seinen Zähnchen. AM GLEICHEN KNOCHEN. DEN ICH GERADE IM MAUL HATTE. Er hat nicht geschnuppert. Nicht gefragt. Nicht gewartet. Nein. Er hat direkt reingebissen. Ich sprang hoch und liess ein kräftiges, kurzes Strassenhund-Knurren los: „HEY! PEPE!! NICHT MEIN KNOCHEN!!!“ Pepe machte einen Satz rückwärts, als hätte ihn jemand auf die Mondoberfläche teleportiert. Pepe: „Äh… ich wollte… teilen?“ Ich: „Das ist ein Knochen, kein Teigtopf!“ Ich nahm meinen Knochen zurück. Ganz klar. Ganz eindeutig. Pepe sass danach klein und vorsichtig da. Nicht sauer. Nicht beleidigt. Einfach nur: „Okay, grosse Lektion verstanden.“
🛏️ Das heimliche Bett-Abenteuer
Pepe erzählt:
Am nächsten Tag passierte etwas Wunderbares. Ich lief durchs Haus. Leise. Neugierig. Vorsichtig. Alle waren beschäftigt. Und da sah ich es: Das Bett. Groß. Warm. Einladend. Wie ein weicher Berg aus Geborgenheit. Ich dachte: „Nein, Pepe… das darfst du nicht.“ Eine Sekunde später dachte ich: „Ich schaue nur kurz.“ Noch eine Sekunde später war ich drauf. Ich legte mich in die Decken. Ich spürte Wärme. Sicherheit. Ruhe. Meine bernsteinfarbenen Augen wurden schwer. Mein Atem tief. Mein Herz leicht. Und dann… schlief ich einfach ein. Glückselig. Zuhause. Zum ersten Mal in meinem Leben ohne Angst.
❤️ Mini-Moral
Manchmal beginnt ein neues Leben mit einem Knochen, der NICHT geteilt wird – und einem Bett, das zum ersten Mal Geborgenheit schenkt.